Netflix im Test und Vergleich: Eine Gefahr für bestehende Anbieter?

Video-on-Demand ist auf dem Vormarsch. Selbst Zweifler müssen einräumen, dass Watchever, Maxdome und Co. sich ihren Platz am Markt erkämpft haben und nun um die Kunst der Nutzer buhlen. Das Aufspringen des Branchen-Riesen Amazon lässt nun endgültig Rückschlüsse darauf zu, dass das legale Streamen von Filmen und Serien in Deutschland auf Nachfrage trifft. Es steht jedoch die offensichtliche Frage im Raum, ob der deutsche Markt einen weiteren Player auf diesem Feld braucht. Netflix, in den USA neben Hulu eine Institution, will nun trotzdem angreifen. Beobachter der Streaming-Dienste erfreuten sich vor einigen Monaten an der Presseneldung, dass Netflix bald auch in Deutschland verfügbar sein würde und brachen in Lobeshymnen aus, wobei dem ein oder anderen Konkurrenten bereits der Tod vorausgesagt wurde.

Nun ist es soweit und Netflix hat seine Tore auch für die deutschen Nutzer geöffnet. Ein Dorn im Auge der euphorischen Streaming-Jünger dürfte dabei allerdings sein, dass Netflix-Chef Hastings bereits eingeräumt hat, dass man sich in Deutschland nicht die Rechte an vielen gewünschten Serien sichern konnte. Kenner der Branche gehen davon aus, dass Netflix den deutschen Markt erst einmal sondieren möchte, um dann auszuwerten, ob sich ein Frontalangriff auf die bestehenden Dienste, welcher mit hohen Kosten verbunden wäre, überhaupt lohnen würde. Vorerst geht es Netflix in erster Linie um eine Verwertung bereits vorhandener Sendungen. Um die Inhalte passgenau für den deutschen Markt zu erweitern, schaut sich der Platzhirsch aus den USA vor allen Dingen in illegalen Tauschbörsen und Streaming-Diensten um.Es gilt die Frage zu beantworten: Was wollen die Deutschen wirklich sehen, was es in anderen Streaming-Diensten noch nicht zu sehen gibt? Eine Frage, auf die Netflix schnell eine Antwort finden sollte, wenn man das selbst gesteckte Ziel, in zehn Jahren in einem Drittel der deutschen Haushalte vertreten zu sein, einhalten möchte.

Netflix

Eine kleine Auswahl der bei Netflix angebotenen Inhalte

Wie bereits im Vorfeld nicht anders erwartet, setzt Netflix auf eine gestaffelte Struktur. Wem das Streamen im Monat 7,99 Euro wert ist, bekommt den Dienst auf einem Gerät ohne HD. Für einen Euro Aufpreis erhält man dann jedoch die Möglichkeit die Inhalte in HD und auf zwei Geräte gleichzeitig zu streamen. Bedeutet: Der Mann des Hauses kann sich auf dem TV Breaking Bad ansehen, während die Dame im Schlafzimmer auf dem Tablet eine Komödie schaut. In der teuersten Ausführung, die mit satten 11,99 Euro daherkommt, können vier Geräte gleichzeitig genutzt werden, zudem werden die Inhalte in Ultra-HD übertragen. Am Preismodell von Amazon Prime Video kann Netflix somit nicht rütteln, im Preisvergleich mit den anderen Anbietern liegt Netflix jedoch gleichauf. Kündigen kann man im Kunden-Profil auf Knopfdruck, was als zeitgemäß zu betrachten ist.

Netflix hat zwar weniger Filme im Angebot als die Konkurrenz, allerdings haben wir in dem vorliegenden Test den Eindruck gewonnen, dass das Angebot sorgfältiger zusammengestellt ist und sich weniger „Müll“ bzw. schlechte Filme in dem Katalog befinden. Das ist ohne Frage eine Geschmacksache und an dieser Stelle muss jeder Nutzer selber ein Urteil fällen, ob das Angebot auf ihn zugeschnitten ist. Toll umgesetzt hat Netflix, dass man den Katalog selbst sortieren kann (Beste Bewertung, Erscheinungsjahr, Altersfreigabe sowie A-Z), was die Suche nach einem Film oder einer Serie weitaus komfortabler gestaltet als in den Apps einiger Konkurrenten. Besonderer Service der Netflix-App: Man kann sich mit einem User „Kids“ einloggen, welches es ermöglicht, Kindern uneingeschränkten Zugriff auf altersgerechte Inhalte zu ermöglichen, Horrorfilme werden also dann nicht angezeigt.

Es versteht sich von selbst, dass das Angebot aufgrund der Rechtelage wesentlich kleiner ist als in den USA. Netflix hat jedoch versprochen, das Angebot innerhalb der nächsten zwölf Monate zu verdoppeln. Sucht man Blockbuster, die auch in der IMDb in den Top 25 gelistet sind, schlägt sich Netflix im Vergleich zur Konkurrenz nicht schlecht, denn Immerhin vier Titel (Zwei glorreiche Halunken, Inception, Matrix und Sieben) kann Netflix zum Start aufweisen – Amazon Prime kann im direkten Vergleich nur drei Titel aufbieten. Damit liegt der US-Dienst im Mittelfeld, denn Maxdome kann nur zwei Blockbuster aufweisen (The Dark Knight und Inception), Spitzenreiter in diesem Segment ist unangefochten snap von Sky mit acht Titeln. Filme von großen Regisseuren wie Stanley Kubrick oder Werner Herzog sucht man leider vergebens und auch für Nutzer, die gerne Klassiker schauen, bietet sich Netflix zum Deutschland-Start nicht unbedingt an. Unkompliziert gestaltet Netflix dagegen den Jugendschutz, denn dieser ist durch eine vierstellige PIN, die auch selbst festgelegt werden kann, definiert.

Punkten kann Netflix dagegen im Bereich Serien und OV, denn viele tragende Serien sind sowohl in deutscher Sprache als auch im Original abrufbar (Breaking Bad, Sherlock, The Walking Dead, Dexter, The Big Bang Theory, Sons of Anarchy, Pretty Little Liars, House of Cards). Zwar ist die Anzahl der OV-Serien erbärmlich, aber im Vergleich zu den anderen Deinsten mehr als akzeptabel.

Fazit

Es kommt auf den Geschmack an. Bei beliebten Serien haben Watchever, Amazon und Maxdome die Nase vorn. Wer es jedoch auf die Eigenproduktionen von Netflix wie House of Cards, Orange is the new black oder Penny Dreadful abgesehen hat, wird fürstlich entlohnt. Netflix hat den Fuß in der Tür und es wird abzuwarten bleiben, ob der US-Riese sich durchsetzen kann, was maßgeblich an den erworbenen Rechten hängen wird. Ich werde das Abonnement erst einmal aufrecht erhalten und sehen, welche Strategie Netflix in Deutschland verfolgt und gerade im Bereich Film habe ich viele Perlen entdeckt, die ich bei den anderen Anbietern nicht finden konnte (Beispiel: Melancholia von Lars von Trier). Fest steht aber auch, dass Netflix ein höheres Risiko gehen muss, um die Nutzer langfristig an den Dienst zu binden. Das beste Preisleistungsmodell bietet nach wie vor Amazon Prime Video, Watchever und Maxdome können dagegen mit einem größeren Umfang punkten.

Netflix sollten Nutzer in Betracht ziehen, die es auf die Netflix-Exklusivtitel abgesehen haben, die wirklich durch die Bank großartig sind. Ein weiterer Grund für Netflix ist die geringe Anzahl von Hürden: Der Dienst ist beinahe auf jeder Plattform zugänglich und fast alle Filme können im Original oder mit Untertiteln gesehen werden, für Serien gelten die bereits genannten Einschränkungen. Wie bei vielen anderen Anbietern fehlt Netflix jedoch ein Offlinemodus, welcher auch den Film- und Seriengenuss während einer langen Zugfahrt sicherstellen würde. Im Bereich Klassiker muss Netflix nachlegen, um auch ältere Nutzer an sich binden zu können.

Von | 2017-03-09T19:26:08+00:00 16. September 2014|

Über den Autor:

Gründer und Autor von screenheroes. Mag gute Geschichten und entwickelt gerne für Wordpress.

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